10.07.2014 |

Jena

Betriebsrätekonferenz

Knapp siebzig neugewählte Betriebsräte kamen am 9.07.2014 zu einer Betriebsrätekonferenz der IG Metall in Jena zusammen, um einen Startschuss in die neue Amtszeit zu geben.

Ein Grußwort sprach der Oberbürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter.

„Insgesamt haben wir bislang die offizielle Wahlauswertung aus etwa 75 Betrieben in Ostthüringen, die die Wahlen abgeschlossen haben“, so Michael Ebenau, Erster Bevollmächtigter der IG Metall.

Über 13.000 Beschäftigte waren wahlberechtigt und fallen damit nun auch unter den Schutz betrieblicher Mitbestimmung. Die Wahlbeteiligung lag bei 73 Prozent, gewählt wurden 465 Betriebsratsmitglieder. 30 Prozent der Betriebsratsmitglieder sind weiblich, 200 und damit 43 Prozent erstmals gewählt. 165 hingegen sind „alte Hasen“, nämlich in der dritten oder mehr Amtsperioden als Betriebsrat tätig. Fast 70 Prozent aller Betriebsratsmitglieder sind Mitglied der IG Metall.

„Leider gibt es immer noch viele, auch größere Unternehmen, in denen sich die Arbeitnehmer/innen offensichtlich nicht trauen, einen Betriebsrat zu wählen“, bedauert Ebenau.

Das Ziel der IG Metall bleibe auch in den kommenden vier Jahren, die Zahl der Betriebsräte zu steigern. „Ein Betriebsrat ist ja keine Kriegserklärung an den Arbeitgeber, sondern demokratisches Recht in allen Betrieben, die mehr als fünf regelmäßig beschäftigte Arbeitnehmer haben“, stellt der Gewerkschafter fest.

Als Beispiele nannte er die Analytik AG in Jena, ETM in Schönbrunn, Bauerfeind in Zeulenroda, Breckle in Weida.

12.02.2014 |

Bundesweit

Die Betriebsratswahlen starten in die heiße Phase

Die IG Metall-Verwaltungsstellen in Gera und Jena-Saalfeld werben unter dem Motto „Deine Wahl – Deine Stimme“ für die Betriebsratswahlen 2014.

„Betriebsräte sorgen für bessere Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze. Betriebe mit Betriebsrat zahlen im Durchschnitt rund zehn Prozent höhere Entgelte“, sagt Michael Ebenau, Erster Bevollmächtigter beider Verwaltungsstellen der IG Metall.

Ohne Anhörung des Betriebsrates seien Kündigungen unwirksam und bei Sozialplänen sei seine Zustimmung erforderlich. Für die IG Metall sei das Ziel: Kein Betrieb ohne Betriebsrat.

Bei den Betriebsratswahlen 2010 gelang es der IG Metall in rund 1.500 Betrieben bundesweit, neue Betriebsräte zu gründen. In Ostthüringen betreut die IG Metall derzeit knapp 500 Betriebsräte in 103 Unternehmen der Region.

„Betriebsratswahlen sind gelebte Demokratie im Betrieb“, sagte Matthias Beer, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall. Es gehe darum, dass die Beschäftigten die Arbeitsbedingungen konkret mitgestalten und verbessern könnten. „Wenn es nicht die Beschäftigten mit ihrer Gewerkschaft tun, tut es keiner“, fügte Beer an.

Die IG Metall wolle den Anteil junger Menschen, Frauen und Angestellten in den Betriebsratsgremien erhöhen. „Wir wollen die gesamte Belegschaft repräsentieren“.

Allein altersbedingt werden ca. 60 Betriebsräte in Ostthüringen nicht mehr antreten oder innerhalb der kommenden vierjährigen Amtszeit ausscheiden. „Da ist es besonders wichtig, dass sich jetzt auch jüngere Kolleginnen und Kollegen engagieren.“

Die Betriebsratswahlen dauern vom 1. März bis 31. Mai 2014. Ab fünf Beschäftigten soll laut Gesetz ein Betriebsrat gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Leitungsfunktion, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Leiharbeitnehmer dürfen nach drei Monaten Überlassung wählen. Seit dem 13. März 2013 zählen sie bei der Größe des Betriebsrates mit. Manche Gremien werden dadurch größer. Beschäftigte, die seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen arbeiten, dürfen kandidieren. Im Organisationsbereich der IG Metall gibt es bundesweit rund 13.000 Betriebsgremien.

12.08.2013 |

Urlaubszeit

Was tun bei Krankheit im Urlaub

Ferien auf dem Bauernhof oder an der Costa Brava: Viele Beschäftigte verreisen im Urlaub.

Doch worauf müssen Berufstätige achten, wenn sie während der arbeitsfreien Zeit krank werden? Wir geben Antworten.

"30 Tage Bettruhe und der Arbeitnehmer ist wieder fit." - mit diesem Attest eines Arztes aus dem Ausland wollte sich ein Chef nicht zufriedengeben und weigerte sich, das Entgelt fortzuzahlen.

Zu Recht. Denn wenn ein Beschäftigter im Urlaub erkrankt, gelten für das im Ausland ausgestellte Attest unter Umständen weitergehende Kriterien als für eine in Deutschland erstellte Bescheinigung. Per Fax vorab Erkrankt ein Beschäftigter im Urlaub, muss er den Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren. Auch muss man die Aufenthaltsadresse im Ausland mitteilen und wie lange man voraussichtlich krank sein wird. Das Attest muss spätestens am vierten Tag in der Personalabteilung vorliegen.

Es empfiehlt sich, das Attest vorab per Fax oder E-Mail dem Arbeitgeber zukommen zu lassen und dann per Post nachzuschicken. Vor dem Urlaub schlau machen

Ein Attest aus dem Ausland muss der Arbeitgeber nur anerkennen, wenn es unter den Ländern ein Sozialversicherungsabkommen gibt und die dortige staatliche Krankenkasse das Attest schriftlich bestätigt oder es von einem zugelassenen Kassenarzt ausgestellt ist. Sind diese Kriterien nicht erfüllt, muss der Chef keine Entgeltfortzahlung leisten. Darum ist es ratsam, wenn man sich bei der Krankenkasse erkundigt, ob es mit dem Auslandsurlaubsziel ein Abkommen gibt und sich eine internationale Versicherungskarte ausstellen lässt. Gibt es kein Abkommen, sollte man eine (private) Zusatzversicherung für die Urlaubszeit abschließen. Ein ärztliches Attest muss erkennen lassen, dass der Arzt neben der Dauer ausdrücklich die Arbeitsunfähigkeit und nicht nur die Krankheit bescheinigt.

Rechnungen für die Versicherung müssen möglichst detailliert sein und Diagnosen sowie Art der Behandlung ausweisen. Was viele nicht wissen Der Urlaub darf nicht einfach aufgrund von Krankheit verlängert werden. Das geht nur nach Absprache mit dem Vorgesetzten. Tipp: Korrektur beantragen Wer während des Urlaubs erkrankt ist, sollte nach der Rückkehr im Betrieb prüfen, ob die Krankheitszeit als nicht verbrauchter Urlaub wieder dem Zeitkonto gutgeschrieben wurde, beziehungsweise eine entsprechende Korrektur beantragen

25.04.2013 |

Berendsen Konflikt

Aus Neustadt/ Orla nach London

Der Kampf der Wäscherinnen von Berendsen Healthcare gegen drastische Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung geht weiter:

Am Donnerstag demonstrierten 30 Frauen vor der Aktionärsversammlung des Berendsen-Mutterkonzerns in London, denn die Aktionäre könnten des Kurs ändern - indem sie auf nur 0,3 Prozent ihrer Dividende verzichten.

Die Frauen waren in Bussen, vor allem aus Neustadt/Orla, aber auch aus Lübbenau, Vechta und Hagen angereist.

Seit November fährt Berendsens deutsche Krankenhaus-Sparte "Healthcare" einen brutalen Kurs gegen ihre Beschäftigten:

Die Frauen sollen auf mehr als einen Euro Stundenlohn verzichten - was für viele nur noch acht Euro bedeutet, sowie auf fünf Urlaubstage - was nur noch 25 statt 30 Tage Jahresurlaub bedeuten würde. Zudem sollen Urlaubs- und Weihnachtsgeld wegfallen. Und schließlich will Berendsen Healthcare auch noch längere Arbeitszeiten durchboxen. Insgesamt bedeuten die Einschnitte Lohnverluste von 2000 bis 3000 Euro im Jahr für die Frauen. Beschäftigte, die die neuen Arbeitsverträge nicht akzeptieren, werden gemobbt, versetzt und gefeuert. Verhandlungen mit der IG Metall lehnt das Management ab.

Dabei macht der Berendsen-Konzern satte Gewinne. Der Aktienkurs ist auf Rekordniveau. Und die Aktionäre konnten sich auf der Hauptversammlung über eine Dividende von 17,5 Pence je Aktie freuen. Insgesamt schüttet Berendsen 30 Millionen Pfund an seine Anteilseigner aus. 0,05 Pence je Aktie für eine Zukunft ohne Einschnitte Das passt nicht zusammen, finden die Berendsen Frauen.

Vor der Hauptversammlung in London machten sie daher die Aktionäre auf die Missstände in Deutschland aufmerksam und forderten: Verzichtet auf 0,05 Pence Dividende je Aktie - umgerechnet etwa 0,3 Prozent Eures Gewinns. Das genügt, um eine Zukunft der deutschen Standorte von Berendsen Healthcare ohne Lohnkürzung, Arbeitszeitverlängerung und Kündigungen zu ermöglichen.

Zur Überraschung der Delegation wurde die Frauen zu einer Diskussion mit dem CEO Peter Ventress eingeladen. Sie konnten bei dem Empfang den Erpressungsdruck und ihre persönliche Situation darstellen und fordern die Aufnahme von Verhandlungen über eine Tarifbindung unter Beteiligung des internationalen Managements.

Einkommen steigen in zwei Stufen

Mehr Geld für Samag Truck-Beschäftigte

Foto: IG Metall

Die Einkommen der Beschäftigten der Samag Truck Components in Rottenbach sollen 2012 in zwei Stufen um insgesamt vier Prozent steigen. Darauf haben sich Geschäftsleitung und IG Metall in der vergangenen Woche geeinigt. Außerdem wird die Arbeitszeit um eine Stunde auf dann 38 Stunden wöchentlich verkürzt. „Dies geschieht bei vollem Lohnausgleich,“ erläutert Michael Ebenau, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Jena-Saalfeld. Während die Arbeitszeit bereits zum 1. Februar verkürzt wird, werden die Einkommen zum 1. April und noch einmal zum 1. November angehoben.

„Diesem Verhandlungsergebnis müssen die Mitglieder der IG Metall noch zustimmen,“ erklärte Ebenau, die Meinung der Mitglieder zu einem Tarifabschluss einzuholen, sei für die IG Metall selbstverständlich, schließlich seien sie es, über deren Arbeitsbedingungen entschieden werde.

Derzeit sind bei Samag Truck über 150 Arbeitnehmer beschäftigt. Das Unternehmen fertigt im wesentlichen Zuliederteile für die Nutzfahrzeugindustrie. Mutterunternehmen ist seit 2005 die Samag Saalfelder Werkzeugmaschinen GmbH in Saalfeld.

Intensive Verhandlungen zur künftigen Tarifentwicklung

Presseerklärung zur Tarifeinigung bei Promera Jena

Foto IG Metall

Der Durchbruch erfolgte am späten Dienstagabend: Die IG Metall und die Spitze des Schweizer Feintool-Konzerns einigten sich nach einigen Stunden intensiver Verhandlung auf die künftige Tarifentwicklung für die knapp 140 Beschäftigten der Promera Jena Feinschneid- und Umformtechnik GmbH. Bislang liegen die Löhne und Gehälter dort deutlich unter dem Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie Thüringen, nun soll diese Schere schrittweise geschlossen werden: 4 Prozent beträgt die Lohnerhöhung zum 1. Januar 2012, ab dann sollen jährlich drei Prozent zuzüglich der Erhöhungen aus dem Thüringentarif folgen, bis der Flächentarif erreicht ist.

Weiterhin sollen die Auszubildenden künftig unbefristet übernommen werden, wenn nicht in Jena – dann im Konzern. Für den Fall wirtschaftlicher Schwierigkeiten bei der Umsetzung gibt es eine sogenannte „Öffnungsklausel“.

Stufenplan zur Angleichung an den Tarifvertrag Thüringen

Erfolgreiche Tarifverhandlungen bei Promera

Foto: IG Metall

Die Beschäftigten der Firma Promera sind den ersten Schritt zur Angleichung an den Thüringen-Tarif gegangen. In den heute abgeschlossenen Tarifverhandlungen erzielten sie gemeinsam mit der IG Metall einen Stufenplan, der die Lücke zwischen ihren Entgelten und dem Flächentarif schließt.

In jährlichen Schritten von jeweils 3 Prozent, plus der jeweiligen Erhöhung aus dem Flachentarifvertrag, werden die Entgelte angeglichen.

Ihrer Forderung nach gerechteren Löhne brachten die Beschäftigten heute mit einer Mahnwache zum Ausdruck. Mit Erfolg, denn bislang lagen ihre Löhne bis zu 25 % unter dem in Thüringen geltenden Tarifvertrag.

Protestmarsch und Kundgebung auf dem Marktplatz von Eisenberg

Belegschaft von KLUDI Amaturen will sich nicht verschaukeln lassen

Foto: IG Metall

Bei den Beschäftigten der KLUDI Armaturen in Eisenberg geht die Geduld um das Ringen zur Standorterhaltung dem Ende entgegen. Mit einen Protestmarsch und anschließender Kundgebung auf dem Marktplatz von Eisenberg am 02. November 11 machte die Belegschaft deutlich, dass die Schließungspläne auf keinerlei Akzeptanz stoßen. Die Beschäftigten von KLUDI fordern Standorterhaltungs- und Weiterentwicklungskonzepte. Dabei wurden sie von Bürgermeister Ingo Lippert, Landrat Andreas Heller, dem Landratskandidaten Knuth Schurtzmann, sowie dem Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert unterstützt.

Davon hält das Management von KLUDI wenig bis gar nichts. Eine 130 Jahre alte Tradition und Qualitätsarbeit aus Eisenberg soll nun einfach abgeschrieben werden. Nachvollziehbare Gründe dafür gibt es nicht.

Erste Verhandlung am Arbeitsgericht Jena

Zur geplanten Betriebsschließung bei KLUDI Eisenberg

Bild: IG Metall

In der Auseinadersetzung um die Schließung der KLUDI GmbH & Co. KG, Betrieb Eisenberg, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wie schon mitgeteilt, schreibt das Werk schwarze Zahlen. Aus Sicht der IG Metall, des Betriebsrates und der Beschäftigten gibt es keine Not dieses Werk zu schließen. Nun wollen die Arbeitgeber mit Gerichtsbeschluss die Einsetzung einer Einigungsstelle zum Abschluss eines Interessenausgleich/Sozialplanes erzwingen, um ohne Einlass auf Verhandlungen zur Standorterhaltung die Schließung voranzutreiben.

Dazu fand am 21.09.2011 eine erste Verhandlung am Arbeitsgericht in Jena statt. Ein Ergebnis, über die Einsetzung einer Einigungsstelle, konnte dabei nicht erzielt werden. Das Gericht hat den Parteien aufgegeben, zunächst ausführlich Stellung zum Sachverhalt zu beziehen.

 

Betriebsschließung – Kludi Eisenberg

Offener Brief der Beschäftigten von Kludi in Eisenberg an die Geschäftsleitung

Die Beschäftigten des von der Schließung bedrohten Armaturenhersteller Kludi wenden sich nun mit einem offenen Brief an die Geschäftsleitung. Die IG Metall Jena-Saalfeld unterstützt die Forderungen der Beschäftigten uneingeschränkt und appelliert an die Geschäftsleitung, von der Schließung Abstand zu nehmen und in einem ernsthaften, zukunftsorientierten Dialog über die Erhaltung und Weiterentwicklung des Standortes Eisenberg einzutreten.

Die geplante Schließung des Standortes markiert das Ende einer mehr als 130-jährigen Tradition der Armaturen-Fertigung in Eisenberg und eines schleichenden Niedergang dieses Standortes. Kludi hat das Werk nach der Wiedervereinigung übernommen und beschäftigte dort zur Jahrtausendwende noch mehr als 200 Mitarbeiter, deren zahl seither durch schrittweisen Stellenabbau immer weiter reduziert wurde.

Kludi-Beschäftigte wollen sich wehren

Einstimmiges Bekenntnis in der Belegschaftsversammlung: Die drohende Schließung nicht widerstandslos hinnehmen

IG Metall hält die Verhandlungen mit der Geschäftsführung noch nicht für gescheitert

Von Claudia Bioly - Ostthüringer Zeitung

Eisenberg Die Beschäftigten der Armaturen-Firma Kludi in Eisenberg wollen die angekündigte Schließung ihres Betriebes nicht widerstandslos hinnehmen. Das wurde in der jüngsten Belegschaftsversammlung am Mittwochnachmittag deutlich. „Alle 30 Anwesenden – und das ist viel in der Urlaubszeit – haben sich einstimmig für Maßnahmen ausgesprochen“, berichtete Frank Lengert, Projektsekretär der IG Metall Jena-Saalfeld, nach der Versammlung. Welche Maßnahmen das sein könnten, sei aber noch offen, und man würde es auch aus taktischen Gründen nicht vorab mitteilen wollen.

Wie Bernd Spitzbarth, 2. Bevollmächtigter der Gewerkschaft, informierte, hat es am 10. August ein Gespräch mit dem Arbeitgeber und dessen Rechtsanwältin gegeben. „In den Verhandlungen wurden sowohl durch den Betriebsrat als auch durch die IG Metall verschiedene Konzepte zur Weiterführung des Standorts und zur Erhaltung der 59 Arbeitsplätze aufgezeigt“, erklärt Spitzbarth. Diese Konzepte seien jedoch von der Verhandlungskommission des Arbeitgebers „ungeprüft abgelehnt“ worden. Die Unternehmensseite habe verdeutlicht, „dass Verhandlungen über den Erhalt des Standorts nicht gewünscht sind. Damit wird deutlich, mit welcher Wertschätzung die Arbeitsleistung der Mitarbeiter durch Kludi gewürdigt wird.“

Eher wie Hohn empfinden diese denn auch das von Kludi-Geschäftsführer Gerald Ecke in den Medien geäußerte Bedauern, dass die „hohe Flexibilität und Zurückhaltung bei der Lohnentwicklung“ der Mitarbeiter die nun geplante Werksschließung nicht habe verhindern können. „Lohnverzicht und die Hinnahme schlechter Arbeitsbedingungen führen eben nicht dazu, dass Arbeitsplätze sicher sind“, das habe das Beispiel Kludi einmal mehr gezeigt, sagte Spitzbarth im Gespräch mit dieser Zeitung. „Im Gegenteil, am Ende ist das gesellschaftspolitisch sogar kontraproduktiv.“

Nach Auskunft der Gewerkschaft hat die Rechtsanwältin der Arbeitgeberseite nach dem Gespräch vom 10. August inzwischen mitgeteilt, dass sie die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Das würde bedeuten, dass eine Einigungsstelle einberufen wird, die dann einen Interessenausgleich und Sozialplan aushandelt, also u. a. die Einzelheiten der Kündigungen für die 59 Mitarbeiter festschreibt.

Für die Gewerkschaft aber sind die Verhandlungen keineswegs gescheitert, „weil die Alternativlosigkeit der Schließung nicht bewiesen ist“, so Bernd Spitzbarth. „Ohne Not will die Unternehmensleitung einen Betrieb schließen, der schwarze Zahlen schreibt und die Belegschaft und ihre Familien in eine ungewisse Zukunft schicken.“

Das Ziel von Gewerkschaft und Betriebsrat bleibe weiterhin, „den Standort zu erhalten – denn Konzepte dafür gibt es – und bis zum Schluss dafür zu kämpfen, dass die Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.“ Dabei gehe es schließlich nicht nur um die 59 Beschäftigten, sondern, wenn man die Familienangehörigen mitrechnet, „um das Schicksal von rund 180 Menschen in der Region.“

Der Anwalt der IG Metall werde jetzt prüfen, ob die Einigungsstelle in diesem Stadium bereits zuständig ist oder nicht.

 Die Frage ist inzwischen auch, ob die angekündigte Zeitschiene zu halten ist. Die Geschäftsführung hatte die Schließung des Produktionsstandorts Eisenberg für Ende März 2012 angekündigt. Viele langjährige Mitarbeiter aber haben sieben Monate Kündigungsfrist. Die Kündigungen müssten also in Bälde ausgesprochen werden, wenn sie zum 31. März wirksam werden sollen – aber bis jetzt wurde über Interessenausgleich und Sozialplan noch gar nicht verhandelt, und das dauert dann auch seine Zeit.

Unabhängig davon, bleibt die Gewerkschaft bei ihren ursprünglichen Zielen und drängt die Geschäftsführung darauf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Die Arbeitgeber sind aufgefordert, ihre alternativlose Haltung zu verlassen und konstruktiv an der Erhaltung und Weiterentwicklung des Standortes mit dem Betriebsrat und der IG Metall zu arbeiten“, erkärt Spitzbarth und bekräftigt: „Sollte der Standort dennoch geschlossen werden, so ist die Belegschaft entschlossen, dies nicht widerstandslos hinzunehmen.“

Nach dem BAG Urteil

IG Metall: Leiharbeitnehmer müssen jetzt Stammbelegschaften gleichgestellt werden

Die IG Metall im Bezirk Frankfurt fordert nach dem Urteil des BAG zur Tarifunfähigkeit des CGZP alle Arbeitgeber in den Entleihfirmen auf, unverzüglich Leiharbeitnehmer und Stammbelegschaft gleichzustellen.
IG Metall Bezirksleiter Armin Schild erklärte: „Der Spuk des Tarifdumping im scheinchristlichen Gewand ist vorbei. Wir bestehen auf gleiche Arbeits- und Einkommensbedingungen in den Entleihbetrieben. Darin hat uns das Urteil des BAG eindeutig bestärkt."
"Die Bezahlung nach dem BZA und IGZ Tarifvertrag ist für uns nur in entleihfreien Zeiten und in Betrieben oder Branchen ohne Equal Pay Vereinbarung richtig." Grundlage für solche Equal Pay Vereinbarungen sei § 7.1 des Entgelt-Tarifvertrages BZA und § 4 desselben Vertrages bei iGZ. Dort ist ausdrücklich die Möglichkeit eröffnet, dreiseitige Equal Pay Vereinbarungen in den Entleihbetrieben und Branchen abschließen zu können.
Schild erklärte: "Nur mit der IG Metall als Vertragspartner sind die Unternehmen auch juristisch auf der sicheren Seite.“ In annähernd 100 Betrieben im Bezirk seien bereits solche Besservereinbarungen erreicht worden.